Veraltet und gefährlich - Schüttel-/Nageldose

Darf ich mit einer Schüttel-/ Nageldose arbeiten?
Gute Frage — das wird tatsächlich auch unter Hundetrainern und Tierärzten ziemlich kontrovers diskutiert.
Ja, der Einsatz von Schüttel- oder „Nagel“-Dosen kann tierschutzrelevant sein, je nachdem wie und wofür sie verwendet werden. In vielen Fällen bewegt man sich zumindest im Grenzbereich des § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz (Deutschland), der es verbietet, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es durch Angst zu erheblich beeinträchtigen.
Und genau dort liegt das Problem:
Die Dosen wirken nicht erzieherisch im eigentlichen Sinn, sondern über Schreck/Angst.
Was eine Schütteldose tatsächlich macht
Eine Schütteldose (Dose mit Nägeln, Schrauben, Steinen o. Ä.) funktioniert lerntheoretisch als:
positive Strafe (Aversivreiz)
Der Hund macht etwas → plötzlich sehr lauter, unvorhersehbarer Knall → Verhalten bricht ab.
Wichtig:
Der Hund lernt dabei nicht, was er stattdessen tun soll.
Er lernt nur:
„In dieser Situation passiert etwas Unangenehmes.“
Und genau das ist der tierschutzrechtlich kritische Punkt.
Warum das problematisch ist (auch rechtlich)
Viele Hunde verknüpfen den Schreck nicht mit ihrem Verhalten, sondern mit:
* anderen Hunden
* Kindern
* Joggern
* Besuch
* einem bestimmten Ort
* sogar dem Halter
Dann entsteht keine Erziehung — sondern Angstkonditionierung.
Typische Folgen, die Tierärzte und Verhaltenstherapeuten tatsächlich sehen:
* Angst vor bestimmten Reizen
* Geräuschphobie
* Meideverhalten
* Stresssymptome (Hecheln, Zittern, Beschwichtigungssignale)
oder paradoxerweise *Aggression** (Abwehrreaktion)
facilitate: Der Hund wird z. B. beim Anblick eines fremden Hundes erschreckt → er verknüpft:
„Hund → Explosion → Gefahr“ → Aggression nimmt zu.
Wenn dadurch eine anhaltende Angstreaktion entsteht, kann das juristisch bereits als „Leiden“ gelten — und damit tierschutzwidrig sein.